Dienstag, 13. Januar 2015

Direct Deposit

Mein Alltag sieht momentan so aus, dass ich wie heute Abends allein im Hotel sitze und mich durch das Netz klicke. Ich glaube es war eine fb-Segeln-Gruppe, in der ein Video gepostet wurde, das meine Aufmerksamkeit erlangte. Was dann folgte, war einfach nur großartig.
In einer Stunde erzählt da ein junger Ami, wie er zum Segeln kam und sich zusammen mit Freunden ein Schrittschiff gekauft und dieses für die große Fahrt vorbereitet hat und diese schließlich begonnen hat. Er erzählt von seinen Mitstreitern, den großen und verrückten Erfolge und beschreibt eine wunderbare Lösung für das T-Problem, elegant von Lisa vorgeführt. Auch die andere Frage, die mir großen Kopfzerbrechen bereitet wird beschrieben: Essen aus dem Meer fischen und naja…“bereit“ machen. Vor allem aber erzählt der Film die Geschichte vom Vagabundenleben, davon wie wenig man braucht um glücklich zu sein und das in einer scheinbar tollen Gemeinschaft. Ich kann nicht aufhören zu gucken und träume mich von meinem Luxus-Hotelzimmer weg auf eine vom Monsun durchnässte billige aber sichere Yacht.

Ich bin so nah dran wie nie zuvor. Das Schiff ist gekauft und es ist ein gutes Schiff. Nur kleinere Dinge müssen noch gemacht werden – Auch finanziell dürfte ich im Sommer nächsten Jahres ready sein für die große Fahrt. Aber klar, mich packt langsam die Angst ob das alles wirklich eine so tolle Idee ist. Lange habe ich das Feuer nicht mehr gespürt es wirklich zu tun. Seitdem ich das Video gesehen habe, das zudem brillant erzählt und geschnitten ist, eine echte Reportage, seitdem kann ich wieder an nichts anderes denken. 

Samstag, 27. September 2014

Erstes Mal Einhand Perfekt

Also das lief alles nicht so wirklich gut in meinem ersten Jahr als Schiffsbesitzer. Im Urlaub nicht wirklich Strecke gemacht, wenig Wind und immer unter Motor. Wenn ich allein in Cuxhaven war dann war ich entweder fiebrig krank, oder es hagelte oder es drohte zu hageln oder der Hafen war so voll, dass ich nicht wusste, wie ich ausparken soll. Heute war alles anders – und ich war auch mutig genug und hatte genug Selbstbewusstsein, auch wenn ich schon wieder überlegt hatte, nicht rauszufahren.
3-4 Windstärken waren es heute aus West – in sonst so geschützten Hafen kann‘s da schon ganz schön pfeifen und ich hatte keine Ahnung wohin es mein Heck ziehen wird beim Ausparken. Nicht dahin, wo ich wollte, ich musste auf allerengstem Raum manövrieren, auf der Stelle quasi. Und das ging prima.
Dann Segel setzen ohne Autopilot. Das Schiff ist als Langkieler träge genug, dass das kein Problem war, auch wenn ich 3 Mal ansetzen musste beim Großsegel. Blieb immer hängen in den blöden Lazyjacks.
Draußen dann segeln war natürlich kein Problem – manchmal schöner auffrischender Wind und ein paar Böen. Die Fenster unter Wasser. Die Relingstützen beinahe im Wasser. Toll. Sie kann segeln. Später sehe ich dass ich tlw. 5 Knoten über Grund gegen den Strom gemacht habe. So schnell kam‘s mir gar nicht vor.
Später dann Segel einholen. Was hab ich bei dem Schiff Probleme mit dem Vorsegel. Ich bekomme es einfach nicht unter Kontrolle beim Einholen, es ist überbords und ich kann nicht steuern um es vom Wind innerbords wehen zu lassen. Ein Trick, ganz einfach, und ich frage mich warum ich nicht vorher darauf gekommen bin. Das Fockfall ist doch lang genug, dass ich es über die Mast-Winsch nach hinten ins Cockpit umlenken kann und so kann ich steuern und die Fock/Genua runterkommen lassen, bin gleichzeitig nicht im Gefahrenbereich wenn da die Metallteile wild hin und her killen. Voll einfach und gut!  Groß ist ja kein Problem durch die Lazyjacks. Und im Amerikahafen ist tausendmal mehr Platz und weniger Verkehr für das alles!
Und dann der Anleger. Bisher ging immer was schief. Beim letzten Mal bin ich zum ersten Mal mit dem Bug gegen den Steg gekracht. Nix weiter passiert, aber meine Technik funktionierte nicht. Mit der kleinen Geli werfe ich immer die Achterleine beim reingleiten über den Pfahl und dann passt es. Warum klappt das nicht in Groß? Naja, es gibt keinen Pfahl. Ich muss zur Mittelklampe sprinten und habe nur wenig Zeit über die Klampe am Fingersteg zu werfen und dicht zu holen. Auch hier ist der Trick so einfach: Nicht gleiten. Stehen bleiben – und zwar leicht vor der Klampe. Dann ist alles sicher. Es hat perfekt geklappt. Zur Not noch den Bootshaken bereithalten, falls man wider Erwarten zu schnell abgetrieben wird.

Ein toller Tag! Es waren zwar nur 11 Meilen unter Segel, aber immerhin: unter Segel. Und gegen den Strom!

Mittwoch, 23. Juli 2014

Reparaturen und keine weitere Fahrt

Nachdem ich Montag das Schiff umgeparkt und die rostige Stelle behandelt habe war der Plan, am Dienstag Morgen mit dem Hochwasser nach Helgoland abzulegen. Als ich gerade ablegen will kommt Wolfgang vorbei und will mit mir zum Schifffahrtsregister, das Schiff endlich ummelden. Hat er ja recht, aber das kommt mir nun wirklich ungelegen. Nicht nur, dass er sich zurecht über die nicht gut gelungene Verarbeitung an der Roststelle beschwert, nein, der Plan mit Helgoland ist jetzt hinfällig. Am Schiffsregister merken wir dann dass eine wichtige Unterlage fehlt.
Dann eben nicht. Probiere ich eben noch etwas auf der Elbe zu kreuzen. Segel setzen geht fundamental schief, alles verfängt sich, ich bin eine Stunde am arbeiten und bekomm das Segel nicht hoch weil alles verknotet ist. Ich gebe auf. Alles wieder runter und ab wenigstens zum Tanken. Das ist auch eine Mega-Aktion, aber sie gelingt. Ich bin recht froh an dem Abend wieder im Hafen zu sein. Kann ich ja morgen nochmal probieren, so der Plan.
Nicht geplant war, dass ich abends Fieber bekomme. Ich habe noch einiges vor diese Woche: Festival, irgendwie nach Hause fahren mit dem Auto, Hochzeit meiner Nichte. Ich hole mir Aspirin und verbringe nach einer furchtbaren Nacht den Tag schlafend auf dem Schiff. Hoffentlich werde ich fit bis Donnerstag.
Naja, nicht wirklich. War auch ein ganz schöner Aufwand die Rettungsinsel von Bord zu bekommen und Klarschiff zu machen. Fiel mir unglaublich schwer mit Fieber – doch unter Aspirin nur noch Temperatur. Dann endlich losfahren, noch fühlte ich mich fit. In Hamburg dann merke ich: Wohnungsschlüssel vergessen. Also Leih-Rettungsinsel in Hamburg abgegeben und dann nochmal zurück nach Cuxhaven. Abends gegen 17 Uhr komme ich dann dort richtig weg und schaffe es noch bis spät am Abend mein Ticket für das Festival abzuholen, zu dem ich es heute nun nicht mehr schaffe, aber dafür eben morgen.

Unterm Strich lief alles nicht so richtig rund dieses Jahr. Und es nervt sich nach den Gezeiten zu richten, auch wenn ich die Nordsee irgendwie lieb gewonnen habe. Aber Ostsee ist schöner.

Freitag, 18. Juli 2014

Abbaden

Wir gehen nochmal an den Cuxhavener Strand und gehen ausgiebig baden. Segeln steht heute nicht auf dem Plan. Eigentlich wollte ich das Schiff noch umsetzen, um am Sonntag eine entdeckte Roststelle behandeln zu können. Aber der Hafenwart meint der schöne Platz sei besetzt und Sonntags mit der Flex käme jetzt auch nicht so gut. Also nix umparken.

Irgendwann am späten Nachmittag/frühen Abend verabschiede ich den Herrn vater und bin von nun an noch bis Mittwoch allein auf dem Schiff.  Vielelciht fahr ich nochmal allein nach Helgoland, denke ich mir und freu mich drauf, auch auf die Herausforderung. Blöd nur dass unterwegs der Autopilot seinen Geist aufgegeben hat.

Rund Elbe

Es macht ja keinen Sinn, jetzt noch einmal irgendwo hinzufahren. Zudem soll das Wetter wieder schlechter werden. Also nimmt mir Papa die „Prüfung“ auf der Elbe ab, nach der ich dann auch alleine fahren kann. Inklusive an- und ablegen.

Gesagt, getan. Es ist schöner Wind heute und wir lassen – was selten passiert ist – mal den Motor aus…und kreuzen etwas die Elbe auf und ab. Alles klappt, naja, das Anlegemanöver ist noch verbesserungswürdig. Übung macht den Meister – muss ich einfach öfter mal machen!

Donnerstag, 17. Juli 2014

Zurück nach Cuxhaven

Hochwasser ist erst gegen 16 Uhr. Früher brauchen wir nicht los. Das heisst andersherum, dass wir noch genug Zeiht haben, noch einmal ins Inseldorf zu radeln und baden zu gehen. Nachdem die Radfahrt geschafft ist (letztes Jahr war Papa noch unsicher ob er es schafft, jetzt wird nicht mal mehr gefragt) erklimmen wir noch den Leuchttumr und genießen die herrliche Aussicht. Danach noch schnell was Essen und ab zum Strand.
Das Wasser hier ist total schön. Dadurch dass die Inseln steil zur Meerseite abfallen, kommt man recht schnell ins tiefere Wasser, auch bei Ebbe. Mich nervt das ja ein wenig, dass das Wasser an der Nordsee andauernd Weg ist. Da bucht man Urlaub am Meer und guckt auf Sandwüste, weil das Meer meint erst in der Nacht zurückkommen zu müssen.
Zurück am Schiff wird abgelegt und losgefahren. Wind kommt tendenziell au der Richtung, in die wir wollen. Zudem wird bald der Strom gegen uns setzen. Mir ist keine andere Variante eingefallen – man könnte höchstens draussen warten, bis der Strom kippt. Aber das bringt ja auch nichts. Eigentlich kann man auf der Nordsee, wenn man das Wattenmeer mit Hochwasser verlässt, mit Strom nur nach Osten fahren. Ja oder noch einmal zurück nach Helgoland. Ja vermutlich muss man genau andersrum fahren, erst nach Wangerooge und dann nach Helgoland.
Da ich meinen Seekarten für diese Gegend nicht so recht traue, beschließe ich, den Leuchttumr Roter Sand in sicherem Abstand zu passieren. Tolle Fotos gelingen leider nicht. Eigentlich kann man nicht mal seine schöne Form erkennen.
Am Schaarhörner Riff drehen wir dann in die Elbe rein und der Wind steht gut für uns. Nur der Strom nicht. Der hält ordentlich gegen. Unter Vollzeug und mit Motorhilfe laufen wir ganz gut durchs Wasser, aber über Grund stellenweise nur 3,5 Knoten und manchmal noch weniger.
Die Sonne geht unter. Ein toller Anblick. Hell erleuchtete Hotels kommen und entgegengeschwommen. Das sieht auch toll aus. Auch wenn ich große Sorge vor der Nachtfahrt hatte, das macht richtig Spaß. Irgendwann ist es wirklich stockdüster. Ich freue mich, dass ich auf meinem kleinen Bildschirm gut erkenne, wo wir sind. Und ich sehe die Lichter der Bojen und Schiffe. Man kann alles sehr gut erkennen. Wolfgang (der Vorbesitzer des Schiffes) hatte mal wieder Recht: Um Dunkeln ist es viel besser: Da sieht man nämlich gut wo man hin muss. Bojen und Landmarken sind viel besser zu erkennen.
Wir kommen kurz nach 12 Mitternacht in Cuxhaven an. Nachdem die Segel eingeholt und die Fender angebracht sind funke ich die Brücke an. Die öffnet zwar nur zwischen 5 Uhr morgens und 11 Uhr abends, aber laut einem Ausdruck der City-Marina jenseits dessen eben auch auf Anfrage. Denkste – der unfreundliche Brückenwart sagt mir über Funk dass das wohl nicht ginge. Pff. Inzwischen ist es halb 2 Uhr.

Was tun?! Im Vorhafen kann man zwischen den Berufsschiffen nirgends richtig festmachen. Und an eins der Schiffe rangehen? Traue ich mich nicht ohne Abstimmung. Ich beschliesse rüber in den Seglerhafen zu gehen und dort an der Tankstelle festzumachen bis es 5 Uhr ist. Das geht gut. Um 5 Uhr setzen wir dann über in den richtigen Hafen und schlafen erstmal ordentlich aus.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Wangerooge

Der Wetterbericht verheisst bestes Sommerwetter und Null Wind. Für die nächsten Tage aaber soll der Wind aus der Richtung wehen, in die wir eigentlich als nächstes hinwollen – die Ostfriesischen Inseln. Und wenn heute Windstille ist, dann könnte sich das Meer beruhigt haben…Ich hab eigentlich keine Lust auf eine Zweite Fahrt wie die Hinfahrt.
Relativ Kurzentschlossen setze ich Kurs auf Wangerooge ab. Eigentlich wollte ich weiter nach Osten. Aber ich will auch noch was vom Sommerwetter haben. Strand, baden, rumlungern, das sind die Sachen, die mir im Sinn stehen.
Das Meer ist echt ruhig. Es kommen zwar doch noch recht hohe Wellen vorbei, aber langgezogen, nicht so abrupt. Aber wenn ich ehrlich bin, irgendwie sitzt mir der gestrige Tag noch im Magen. Und ich spüre da schon wieder etwas.
Wir sind viel zu früh in Wangerooge. Das Wasser am Harleriff ist ganz schön flach bei unseren fast 2 Meter Tiefgang. Ich will warten, bis die Flut ihren Höhepunkt hat. Immerhin hat mir der Hafenmeister versichert, dass ich bei Ebbe guten Gewissens dort liegen kann.
Wir kreisen eine Stunde lang um die Ansteuerungstonne von Wangerooge. Dann unter höchster Anspannung gehe ich unter Deck, um die instrumente ablesen zu können und den fahrtverlauf am kartenplotter ebenso (Einen Bildschirm habe ich oben an Deck immer noch nicht montiert). An der flachsten Stelle zeigt das Echolot 2,50 unterm Kiel an (wie ich später herausfinde, sind das 1,50 aufgrund der Einstellungen des Echolots. Interessant war, dass mir unter Deck gar nicht mehr schlecht war, obwohl ich oben immer wieder über Übelkeit nachgedacht habe.

Am Ende kommen wir sicher im Hafen an und können auch im Päckchen an sehr netten Nachbarn festmachen. Dann geht’s auf zur Inselerkundung. Ich will Räder mieten, das Dorf angucken, eine Badehose und Sonnencreme kaufen, baden gehen, am Strand noch ein Bier trinken und dann heim zum Schiff und kochen. Wir schaffen alles! Und ich kann sogar endlich den Bildschirm montieren, denn die Überfahrt nach Cuxhaven wird lang werden – und wenn ich mir die Hochwasserzeiten so angucke wird es bis tief in die Nacht gehen. Aber das wird erst morgen zum Problem.

Dienstag, 15. Juli 2014

Helgoland

Helgoland ruft. Die Wetterbedingungen sind gut. Ich denke mir, hoffentlich ist nicht zu viel restwelle vom Vortag draussen. Wird schon schiefgehen, denke ich mir. Inzwischen ist die Morgentide günstiger und wir müssen uns die Wecker stellen. Optimal wäre eigentlich 5 Uhr Abfahrt. Aber ein bisschen Schlaf muss dann doch sein. Ich beschließe, dass es auch noch genügt, wenn wir zwischen 6 und 7 losfahren. Aufstehen zwischen 5 und halb sechs. Ganz schön früh, wie ich beim Weckerklingeln merke.
Bis Schaarhörn und zur Tonne 3 ist alles gut. Dann sind wir ungeschützt und gehen über die Elbe. Eine ungemütliche Welle setzt ein. Rasti wird ganz schön durch die Gegend geschaukelt. Am Anfang finde ich das noch witzig, aber irgendwann….irgendwann machts mir nicht mehr so richtig Spaß. Irgendwann ab in der Rede.
Ich lasse Papa am Steuer, habe Angst, dass ihm unwohl wird. Eigentlich müsste ich mal ans Steuer, denn mir ist gar nicht wohl. Aber ich halte durch, rede kaum, konzentriere mich auf den Horizont und die einfallenden Wellen um fit zu bleiben. Aber Papa geht’s gut, er spürt nix und ist ein echter Seemann!
Gott sei Dank muss Papa mal und ich gehe ans Steuer. Allerdings habe ich ihm verboten das mit über die Reling verboten. Ich erkläre ihm auch gerade, dass das mit der Toilette auch eine schlechte Idee ist und ihm ziemlich schnell schlecht werden wird (in Erinnung an Simone…). Mein Vorschlag wäre ein geeignetes Gefäss, etwa ein Eimer.
Er will nicht hören. Nach einer gefühlten Minute sehe ich vom Steuer aus meinen Vater mit heruntergelassener Hose aus der Toilette stürzen, schnell nach hinten, zum Schwerpunkt des Schiffes, da wo die geringste Bewegung ist. Ich weiss was das bedeutet und habe die Hoffnung, dass er 1. Erfolgreich war und 2. Wieder fit wird. Kaum in der Plicht bestätigt er meine Vermutungen und ich beordere ihn ans Steuer. Das war knapp, meinte er.
Scheiss Rest-Welle. So schlimm ist die gar nicht. Und die 4 Windstärken heute sind auch nix. Alles nichts schlimmes – wie soll ich es so um die Welt schaffen?
Kurz vor Helgoland wird es unter uns auf einmal ganz schnell flach. Ich muss ja nicht erklären, was das für den Seegang heisst?! Zudem müssen wir gleich noch den Kurs ändern, sodass der Wind gefährlich von hinten kommt. Die See schaukelt uns ordentlich durch und ich habe echt Mühe, das Boot auf Kurs zu halten. Das Heck geht so steil auf und ab dass es sich selbst hier wie Achterbahn anfühlt. Mein Gott, wie soll das denn auf dem Ozean werden?!
Endlich im Helgoländer Vorhafen. Von jetzt auf gleich keine Welle mehr. Segel runter, Ehrenrunde im Hafen, im Päckchen anlegen, geschafft. Und jetzt setzt auch ordentlich Regen ein. Wir schlafen erstmal ne Runde, sind beide KO von der fahrt und von dem frühen Aufstehen.

Was folgt ist eine Helgolandbesichtigung mit gemeinsamen Essen gehen. Echt schön. Morgen will ich Papa die Düne zeigen, und die Seehunde, kennt er ja noch nicht. Wenn das Wetter passt. Hätten wir eigentlich schon heute machen können, wenn es nicht geregnet hätte. Naja…

Montag, 14. Juli 2014

Urlaub aufm Gullideckel

Zu allem Überfluss schliesst sich nun auch da Wetterfenster. Regen und Starkwind sind angesagt. Wir bleiben im Hafen. Ich spiele mit der Technik herum und versuche das Schiff insgesamt einfach noch etwas besser für den urlaub vorzubereiten. Dazu gehört zum Beispiel das Anbringen der Strecktaue, was ich eigentlich am Vortag unterwegs Richtuing Helgoland im geschützten Bereich bis Schaarhörn machen wollte.
Am Nachmittag geht dann das Wetter eigentlich. Wir fahren wenigstens mal kurz zum Test auf die Elbe raus. Das macht Spaß, nur leider haben wir bei der Rückfahrt den Wind gegen uns. War ja klar.

Abends grillen wir mit dem Einweggrill auf dem Gullideckel am Hafen. Klingt vielleciht nicht so toll. Aber mal ehrlich, sieht Papa da wie über 70 aus? Ich sitze so da und denke mir, so ein kleiner Micha wird mir fehlen wenn ich mal über 70 bin. Hält jung.

Sonntag, 13. Juli 2014

Nichts läuft wie geplant

Eigentlich war alles anders geplant. Eigentlich sollte es schon Freitag losgehen bis kurz vor knapp ein ungeheueres Missverständnis bei der Katzenbetreuung klar wurde. Die Abreise musste auf Sonntag verschoben werden. Das hatte drei Implikationen: 1) Wir würden in eine ungünstige Tidenzeit kommen und es würde knapp werden noch im Hellen in Helgoland anzukommen, wenn wir nicht am Sonntag dort hin fahren würden. 2) Weniger Variablilität bei schlechtem Wetter 3) Zeitdruck bei der Anreise aus Berlin um rechtzeitig um 14:00 losfahren zu können und rechtzeitig zum Deutschland-Finale in Helgoland zu sein. Unterwegs hätte ich noch Fernsehen installieren müssen..
Papa kam schon Samstag zu mir und morgens nach der Katzenversorgung ging es dann gleich los. Wir waren soweit gut im Zeitplan, doch kaum waren wir auf See passierte es: Der Wind wehte ganz schön heftig und noch dazu mehrlich aus der falschen Richtung – er hatte bereits gedreht. Zudem habe ich Schwierigkeiten mit dem Vorsegel. Ich fasse einen Entschluss: Bevor der Strom vollends gegen uns ist befehle ich: „Alles klar zur Wende“.

Wir drehen um. Fussball schauen wir dann in einem Menschenleeren Kneipenrestaurant. Die haben echt nen Knall die Cuxhavener – in Berlin wäre jede Kneipe brechend voll.

Samstag, 12. Oktober 2013

Und wieder eine Feltz

Eigentlich habe ich das Schiff schon im Mai dieses Jahres entdeckt. Eigentlich wollte ich es mir längt schon anschauen. Ich fand es etwas teuer. Und der Gutachter, den ich aufgrund der höheren Distanz gleich dazunehmen wollte, brauchte ewig um sich zurückzumelden. Als ich irgendwann mal in London nach der Arbeit an meinem geliebten Themse-Ufer, an das ich so viele gute Erinnerungen habe,  langspaziert bin, dachte ich, ich probiere es einfach noch einmal. Irgendwie  habe ich dann tatsächlich innerhalb kürzester Zeit einen Termin zusammen mit dem Gutachter und dem Eigner arrangieren können.
Heute nun war ich viele Kilometer weit weg, habe mir das Schiff bei strömenden Regen angeschaut. Inzwischen weiss ich, was mich bei einer Feltz erwartet und ich kann halbwegs einschätzen, was auf mich zukommt und wo die Schwachstellen sind. Das Problem: Ich habe kaum welche gefunden. Auch der Gutachter schien mir viel von dem Schiff zu halten.
Es ist eine alte Lady, kaum Schnickschnack und dadurch so herrlich funktionstüchtig. Manuelle Ankerwinsch. Kein Rollfock oder –groß. Dafür dicke Wanten, Sturmrigg, doppeltes Vorstag, Steuerrad mit sehr einfacher Mechanik ohne umgelenkte Ketten oder gar Hydraulik Die meisten Seeventile tadellos. Windsteueranlage, Gerätebrücke, Solar, Radar, Windgenerator, Luxusklo.Minuspunkte: Einige technische Dinge müssten erneuert werden, Nicht so richtig schöne Kuschelkojen. Andererseits, wer weiss ob überhaupt jemand mitkommt und mit mir in der Koje kuscheln will…
Und ganz nebenbei habe ich noch eruieren können, dass offensichtlich an der Nordsee ganz andere Preise für Schiffsstellplätze gelten. Nur 1.000 Euro im Jahr muss ich rechnen.

Es ist eine ganze Menge Geld, die dann erstmal einfach weg wäre. Andererseits ist es genau der Betrag den ich seit meinem Jobwechsel vor fast 2 Jahren angespart habe. Ich wäre dann also auf dem Stand von vor meinem Jobwechsel. Es kribbelt.

Sonntag, 29. September 2013

Alles kaputt

Also diese Saison hatte es in sich. Ich hab ja bereits vor Saisonstart im Winter die Holzelelemente bearbeitet und gestrichen bzw. behandelt. Außen vorgelassen hatte ich zunächst das Holz um die Fensterluken. Das hat sich gerächt. Es wird Zeit mal meine Missgeschicke der Saison aufzulisten  und zu dokumentieren:

  • Holzelemente der Fensterluken: Auf der Fahrt zum Sommerliegeplatz habe ich erstmal ein Teil der Fensterverkleidung verloren. Ich habe es die ganze Saison über nicht erneuert, weil es am Abmessen und Gefummel gescheitert ist. Nächster Termin: Winter.
  • Undichtes Fenster an der Backbordseite: Bei Regen sammelt sich Wasser im Schiff. Von Innen ist die Holzverkleidung bereits völlig vergammelt. Abdichtversuch mit Schiffssilikon ist gescheitert. Abhilfe hat die Persenning geschaffen, seitdem kein Wasser mehr im Schiff.
  • Segel: Irgendwann bekomme ich das Segel nicht hoch und ziehe mal etwas kräftiger dran. Ratsch. Segelkopf gerissen. Sieht schlimm aus.  Dauert wieder mal ewig bis das repariert ist. 160 Euro. Dann sagt mir der Segelmacher noch, dass meine Segel dann auch sich ihrem Lebensende neigen. Ist mir ja auch klar, geht aber trotzdem noch. Nur das Angebot für neue Segel erschreckt mich: 1300 Euro wollen sie haben. Pff.
  • Pinne: Nachdem die Segel endlich wieder dran waren, bin ich bei etwas mehr Wind endlich mal wieder rausgefahren, zusammen mit Thekla sogar. Der Wind war so stark, dass ich zur Sicherheit mit meinem Gast an Bord mal das zweite Reff reingebunden habe, was bis dato noch nie passiert war. Während wir sportlich dicht am Wind fahren macht es auf einmal wieder Ratsch und der Ruderdruck gibt plötzlich nach. Das Ruder ist gebrochen. Das morsche Holz hat vollends den Geist aufgegeben. Stück Holz gekauft, 30 Euro. Keine Ahnung wie zu bearbeiten, zum Tischler gebracht. Der kann nix mit dem Holz anfangen. 70 Euro für den Tischler, ging ja.
Fazit: Alles an diesem Boot was aus Holz ist macht die Mücke. Merke: Niemals ein Holzschiff kaufen, Holz aussen weitestgehend vermeiden.

Freitag, 23. August 2013

Radtour auf Hiddensee und Absegeln

Es ist unser letzter Tag „auf See“ und ich habe mir in den Kopf gesetzt, die Insel noch einmal mit Papa zu erkunden. Dazu werden Räder gemietet und es wird nach Kloster und dann weiter zum Dornbusch und zum Leuchtturm gefahren.
Papa scheint mir etwas aufgeregt, schließlich ist er jenseits seines Heimtrainers kein Radfahren mehr gewohnt. Aber er macht sich ganz gut und kann noch Gleichgewicht halten. Eins fix drei sind wir in Kloster und gucken uns den Ort an. Es werden Mitbringsel ausgesucht, die auf dem Rückweg abgeholt werden.
Doch zunächst müssen wir noch bis zum Leuchtturm. Und dort hin geht es von jetzt an nur noch steil Berg an. Auf ¾ Strecke schnauft mir Papa zu sehr und wir beschließen beide, abzusteigen und zu schieben. So tun es schließlich auch viele andere. An einem Schattenplatz trinken wir erstmal ordentlich.
Irgendwann haben wir uns den Weg bis zum Leuchtturm erschlossen, klettern hoch und genießen von hier den herrlichen Ausblick. Ich denke nicht nur einmal an eine Auszeit mit Nadine auf Hiddensee zurück, als wir ebenfalls den Leuchtturm anvisiert hatten. Leider holt mich hier oben die dämliche Arbeit ein und ich müsste eigentlich in einen Call mit einem sehr unangenehmen Zeitgenossen, der mich noch lange verfolgen wird.
Zurück zum Schiff. Der Wind weht mit 5 Windstärken aus West. West ist genau die Richtung, in die wir zurück müssen. Das bedeutet: Motor. Ich habe jedoch analysiert, dass beim Abknicken in den Jasmunder Bodden ideale Windverhältnisse herrschen müssen. Daher will ich zügig los, denn nochmal ein bisschen Segeln wäre ja nicht schlecht.
Und in der Tat: Wir kommen rechtzeitig an und können es uns zeitlich erlauben, noch einmal auf den Bodden abzubiegen und an unserem Ausgangshafen vorbeizufahren. Und hier erwarten uns ideale Bedingungen. Wir holen noch einmal alles aus dem Schiff raus was geht. Wir liegen noch einmal richtig schief. Wir versuchen noch einmal, die Reling ins Wasser zu tauchen. Wir kreuzen tatsächlich bis ganz ans Ende des Boddes gegen an, kehren dann um und lassen uns vor dem Wind zurück treiben.
Eigentlich hatte ich überlegt zu ankern, entdecke aber  an der Ankerkette etwas, was mich unsicher werden lässt. Mit den letzten Sonnenstrahlen beschließen wir dann, doch noch im Hafen festzumachen. Noch einmal richtig schön kochen und dann wars das.
Am nächsten Morgen müssen wir noch tanken. Bisher haben alle Manöver geklappt. Auch das Tankmanöver. Aber dann passiert es: als ich zurück in die Box muss, machen die Hafenleute Druck und ich stelle mich etwas dämlich an. Mein einziges ungutes Manöver. Allerdings war mein Manöver ganz gut gedacht und nur durch die Rufe der Mola-Leute an Land lasse ich es schlecht werden. Ich muss selbstbewusster agieren. Naja, nächstes Mal dann.

Donnerstag, 22. August 2013

Flaute

Am nächsten Tag soll es rüber nach Hiddensee gehen. In Erinnerung der letzten Überfahrt macht mir das etwas Sorge, es soll mal nicht zu stark winden…Doch was uns erwartet ist das komplette Gegenteil. Nicht ein Hauch von Wind. Das Wasser ist spiegelglatt. Und um das vorweg zu nehmen: Das ändert sich während der gesamten Überfahrt nicht. Wir fahren unter Motor.
Als wir uns der Kadettrinne nähern, werden wir nervös. Frachter an Frachter reiht sich am Horizont aneinander. Wir haben stehende Peilung mit einem, das bedeutet Kollisionskurs. Prompt werden wir angefunkt. Schließlich haben wir Vorfahrt und der Kapitän des Frachters will wissen, ob wir ihn durchlassen. Irgendwie hab ich Schiss über Funk zu antworten. Da springt ein anderer Segler ein, den ich gar nicht gesehen hatte, aber nur ein paar Meter in Lee von uns ist. Was er sagt gilt auch für uns. Wir ändern den Kurs deutlich und der Pott kann durch.
Hinter der Kadettrinne, nachdem klar ist, dass wir gut in der Zeit sind, mache ich den Vorschlag, alles auszumachen und uns treiben zu lassen. Baden gehen! Papa ist das nix. Hier draußen mitten im Meer baden gehen? Land gerade so in Sicht? Gefährlich mein Papa. Quatsch, meine ich. Und weil ich zumindest in dieser Konstellation das letzte Wort habe, lassen wir uns treiben. Das wird zum Highlight. In der Erinnerung geht dieser Tag als Badetag ein. Das Wasser ist viel wärmer als beim letzten Badeversuch. Es ist toll und ich blase das Schlauchboot auf, mache ein paar Fotos vom Schiff und springe immer wieder in Wasser. Es entstehen Filme von Kopfsprüngen…
Das ganze wiederholen wir ein paar Meilen vor Hiddensee noch einmal. Immer noch warmes Wasser. Großer Badespaß!
In Vitte dann wieder angekommen machen wir uns schnell auf zum Strand und sind schon wieder im Wasser bei Abendsonne. Was für ein toller Tag. Diesmal sind wir früher bei meinem Lieblingsrestaurant und werden hoffentlich noch was kriegen. Denkste, 30 Minuten vor Küchenschluss ist bereits Küchenschluss. Ich beschließe, dieses Restaurant direkt neben dem Theater in Vitte, das Häuschen gegenüber des Edekas, nein, das ist kein Qualitätsrestaurant mehr in dem ich mich wohl fühle. Das ist durchgefallen! Wir gehen wieder zum lange offenen Geheimtipp und werden satt. Zeit ins Bett zu gehen!

Mittwoch, 21. August 2013

Schon wieder Moen

Ich habe mich für die sichere Variante entschieden und somit gegen Trelleborg, also wieder nach Moen.  Eigentlich klingt das etwas langweilig. Aber bei der Segelei geht es ja ums Segeln, seltener um den Ort. Der Wind ist schön und wir steuern - mal wieder – Moens Kreidefelsen an. Auf halber Strecke rüber erkläre ich Papa mal wieder, wie so Notfallmanöver aussehen und was man da machen kann und muss.  Könnte ja sein, dass ich über Bord gehe. Die Boje fliegt ins Wasser und Papa muss nun auffischen – unter Segeln. Mir ist eigentlich vor allem wichtig, dass er das Schiff erstmal möglichst schnell zum stehen bekommt.  Das gelingt. Auch das Boje über Bord Manöver.
Der Wind droht einzuschlafen. Andere Schiffe sind dichter ans Ufer gefahren. Ich überlege ob sie auf Windbeschleunigung in Ufernähe spekuliert haben. Allerdings ist meine These, dass entsprechend der Windrichtung in Ufernäher eher mit Abschattung, höchstens mit Fallwinden zu rechnen ist. Deshalb bin ich draußen geblieben. Das Kap kommt näher und da ist er, der Lehrbuchartige Kap-Effekt. Starker Wind auf einmal. Ausgerechnet jetzt muss Papa mal. Ich fahre vor den Wind und er kann in Ruhe seinem Bedürfnis nachgehen. Er merkt gar nicht wie sehr ich zu kämpfen habe, das Schiff ruhig zu halten.
Dann wieder gegen an. Irgendwann moniert Papa, dass wir gar nicht zum Hafen fahren sondern direkt in Richtung Hiddensee. Stimmt ja auch, Aber wir kreuzen. Und er glaubt mir nicht, dass der Winkel noch nicht passt. Also wenden wir und halten direkt auf das Kap zu. Obwohl wir schon ziemlich wiet draußen waren, ist das Land im Nu in Greifnähe und wir müssen wieder wenden und raus fahren. Andere Segler haben ihre Tücher eingeholt und tuckern unter Motor, aber doch nicht wir.
Schließlich passt der Winkel wieder und wir steuern auf unseren Hafen zu. Inzwischen kennen wir ihn und wissen wo der beste Platz ist. In der Box vertaut und nach einem Spaziergang wird heut mal wieder gekocht! Die Vorräte müssen weg!

Dienstag, 20. August 2013

Roedvig

Dieser Tag fing gar nicht gut an. Ärger mit der Arbeit. Emails lesen während des Urlaubs ist allerdings auch blöd. Wir laufen noch etwas in Dragoer umher und ich kann an nix anderes denken, auch wenn ein paar schöne Bilder von der Öresundbrücke gelingen. Hier Dänemark, da drüben Schweden. Toll dass wir es mit dem Boot bis hierher geschafft haben.
Von Kopenhagen aus gab es zwei Optionen. 1) Rüber nach Schweden. Pro: Wir kommen nach Schweden. Con: von dort drüben würden uns südwestliche Winde zu unserem nächsten Ziel zu schaffen machen. Käme es dazu müssten wir nach Trelleborg und hätten dann einen langen Törn, bei dem es keinen Wind aus S-SW geben darf. Nun ist das im Sommer aber eher die Hauptwindrichtung. 2) wieder genau runter nach Süd in Richtung Moen und Halt auf halber Strecke. Ich entscheide für Option 2. Anders als am Vortag ist etwas Wind. Anfangs laufen wir sogar 6 Knoten, später noch um 3.
Es ist ziemlich ruhig und genau das macht es so schön. Ich lege meine musikalische Entdeckung des Frühlings auf – The XX. Und Papa ist begeistert. Er schläft oder döst die ganze CD durch.  Ich lege auch noch die Lumineers auf, eine meiner Dauer-Gute-Laune-Platten. Wenn diese Musik läuft, ist für mich alles Prima. Papa findet sie aber nicht so überzeugend.
Vor Roedvig warnt der Hafenführer vor Stellnetzen, die weit ins Wasser reinreichen. Und in der Tat, die letzten Meter werden zum Abendteuer und wir halten ständig Ausschau und entdecken tatsächlich immer wieder eins dieser verfluchten Netze.
In Roedvig dann versuchen wir uns an den schönen Boxen und müssen feststellen, dass das Schiff zu dick ist. Wir bleiben stecken und kommen mit Mühe wieder frei. Aber wir finden noch etwas längsseits am Steg.
Dann ist Ortserkundung. Wir entdecken einen niedlichen Strand, der gut zum Baden gehen scheint. Außerdem begutachten wir Yachten und prüfen sie auf Weltumseglungstauglichkeit. Essen gehen wollen wir heute nicht, sondern etwas von unseren Vorräten aufbrauchen. Ich bin dran und faul, daher kein aufwändiges Gericht sondern stinknormale Nudeln.


Am nächsten Morgen dann wagen wir es und springen ins Wasser. Ich stell mich ganz schön an. Erstens könnten da Quallen im Wasser sein. Ich hasse Quallen! Zweitens ist das Wasser arschkalt. Wer hatte nur diese blöde Idee. Papa schwimmt schon längst seine Runden während ich immer noch grübele, wie ich das Wasser über meine Badehose kriege.

Montag, 19. August 2013

Kopenhagen

Es war ja von Anfang an unklar, ob das mit Kopenhagen eine realistische Sache ist. Die Zeit kann knapp werden in einer Woche. Nervös macht mich insbesondere, dass es für den Rücktörn eigentlich nicht ohne großen Schlag geht und die Optionen extrem begrenzt sind: Moen-Hiddensee ist noch recht kurz, geht aber nicht bei Südost. Trelleborg – Hiddensee ist weit, geht nicht bei Süd. Ich plane mit 2 Tagen Reserve.
An diesem Morgen ist das Wetter komplett anders als noch einen Tag zuvor. Windstille. Wir laufen auch ganz früh aus und stellen uns zu für den Urlaub unchristlichen Zeiten einen Wecker. Wind gleich null und aus der falschen Richtung. Motor an. Und so tuckeln wir im Wesentlichen 50 Seemeilen. Erst an den Kreidefelsen von Moen vorbei, dann über das Meer, vorbei an einem Verkehrstrennungsgebiets-Kreisverkehr. Sonnenschein. Nur der Motor nervt. Da heut das Wetter besser ist, führt Papa eine Tradition ein: Kaffee und Mamas leckeren Kuchen. Auch wenn ich das Ding auf einmal verdrücken könnte, gibt’s immer nur ein Stück. Soll ja reichen bis zum Urlaubsende.
Nach gar nicht mal so langer Zeit und nach Studium der Karten komme ich zu einem Schluss: Wir knicken es uns, den Knick bis Kopenhagen zu fahren und legen lieber im Vorort Dragoer an. Von dort aus geht’s dann mit dem Bus in die Stadt.
Gesagt, getan: Wir sind recht früh und es ist noch eine ganze Weile Sonnenschein. Schnell in die Stadt. Wir erkunden die Stadt und laufen immer tiefer rein. Eigentlich wollten wir ja nur schnell was essen, aber das verschieben wir auf später. Erstmal müssen wir auch auf diesen Turm im Stadtzentrum klettern!
Danach dann finden wir zur Belohnung ein akzeptierbares Straßencafé. Sieht zwar auch etwas nach einer Tourifalle aus, aber egal, die Leute sind interessant. Und das Essen schmeckt. Uns gefällts und Papa hat längst schon beschlossen, hierher nochmal mit der Mama zu fahren. Alles richtig gemacht.


Nach einem kleinen Abendspaziergang in der blauen Stunde wird dann die Heimreise zum Schiff zur Odyssee. Unser Bus hält nämlich nicht an unserer Station. Es dauert eine Weile bis wir das kapieren, da die entsprechenden Hinweisschilder und die Anzeigetafeln sich widersprechen. Das Telefon verrät uns die nächste Busstation und wir laufen dort hin. Papa ist jetzt vollends überzeugt von einem Smartphone. Und ich glaube, dieser Tag war Papa’s Highlight.

Sonntag, 18. August 2013

Über die Kadettrinne mach Moen

Die Windvorhersage verspricht 4-5 Windstärken aus Süd bis Südwest. Das ist ziemlich optimal für den geplanten Schlag nach Moen. Nach dem Auslaufen und Segelsetzen gleiten wir mit 4-5 Knoten Fahrt durch das Wasser und lassen den Dornbusch ganz langsam hinter uns. Die Sonne scheint und es ist warm. Fast „Uffbrennwetta“, wie Papa wohl sagen würde. Ich lieg irgendwo auf dem Schiff faul rum und döse ein wenig, schlafe fast ein, während der Autopilot auf Moen zuhält.
Der Wind lässt nach und bei höchstens 3 Knoten Fahrt überlege ich, den Motor anzuwerfen. Kapitän Diezel meldet sich mal wieder über Funk zum Wetter und erzählt etwas von 7 Beauffort…Zurecht meldet sich da jemand aus dem Greifswalder Bodden und wundert sich mit seiner lokalen Einschätzung von 0-1 Windstärken. Wir lachen und freuen uns über die Leidensgenossen.
Irgendwann schieben sich ein paar Wolken vor die Sonne. Es wird merklich kühler. Ich schicke Papa runter zum umziehen, bevor es schlimmer wird und keine Zeit  mehr ist. Man muss handeln wenn man das erste mal dran denkt dass man evtl. Handeln müsste…Papa braucht aber ganz schön lang und als er wieder oben ist, muss erstmal gearbeitet werden. Die Windgeschwindigkeit hat sich nämlich immer mehr erhöht. Reffen! Nach der Kurbelei muss natürlich immer wieder Schiffs- und Windgeschwindigkeit überprüft werden um die optimale Einstellung herbeizuführen. 
Ich sehe Wolkenunregelmässigkeiten auf uns zukommen, darunter Gischt. Eine Regenfront mit mglw. Starkwind. Ich komme bei dieser richtigen Analyse aber nicht auf die Idee mich entsprechend umzukleiden, bevor gleich die Hölle los sein wird. Also warte ich auf den recht starken Regen und…ja da sind sie die Böen um 7. 35 Knoten wahrer Wind lese ich ab. Papa sieht mir beim Kurbeln etwas ohne Halt und unkoordiniert aus. Ich schicke ihn ans Steuer. Gleichzeitig gehe ich schnell runter und versuche mir eine Regenhose anzuziehen. Gelingt irgendwie wenn auch nicht richtig (Die Hoste über die Jacke….)Mehr war bei den Bedingungen nicht möglich.
Während die Felsen von Moen bedrohlich aus der Gischt ragen nehmen wir das Groß ganz weg und fahren hart am Wind und nur unter gereffter Genua über 5 Knoten. Gott sei dank nähert sich der Hafen, wir haben beide genug für heute. Im Hafen dann ein bisschen Panik. Der Wind ist stark und ich habe etwas Angst, irgendwo zu dicht ranzufahren und die Kontrolle über das Schiff zu verlieren. Letztlich aber gelingt das Manöver bestens. Kaum sind wir vertaut kommt auch schon die Sonne raus…Oh Mann.
Am Abend dann probieren wir ein örtliches Restaurant aus…und entdecken den wunderschönen Strand. Krass, Hiddensee ist tatsächlich nicht mehr sichtbar. Am Horizont schlängeln sich die Schiffe auf der Kadettrinne. Geschafft.

Samstag, 17. August 2013

Schnell nach Vitte

Das diesjährige Sommersegelurlaubsziel ist Kopenhagen. Schon lange hatte ich mir in den Kopf gesetzt, es bis dorthin mit dem Schiff zu schaffen. Um das gemütlich in einer Woche mit noch etwas Pufferzeit für schlechtes Wetter machen zu können, gibt es nicht so viel Startpunkte. Ich habe mir überlegt, dass der nördlichste Punkt von Rügen geeignet erscheint, auch wenn potenziell viele doppelte Ziele dabei sind. Die Wahl fiel dann auf Breege und Mola als Charterunternehmen.  Ich will allzu große Schläge vermeiden, will lieber nach Moen als nach Trelleborg
Aber schon im Vorfeld war eine Sache anders als bei anderen Vercharterern: Anreise Samstag (was prinzipiell OK ist), Aber nicht vor 17:00, wohingegen andere Charterunternehmen um 09:00 die Schiffe übergeben. Der Plan: Schnell aufs Schiff und ab bis Vitte, um von dort einen nicht ganz so großen Schlag nach Moen zu haben.
In der Tat erfolgt das Einchecken im Akkord und ohne große Befassung mit der Technik geht’s raus aus unserer Box. Blöd: Beinahe nehme ich eine Boje auf der falschen Seite mit weil mich die Sonne blendet. Naja, wenigstens der Blick in die Seekarte vor dem Ablegen sollte eigentlich Standard sein.


Ohne einen Hauch von Wind tuckeln wir bis Hiddensee und finden im eher immer überfüllten Hafen von Vitte noch ein Plätzchen. Das erste Anlegemanöver gelingt. Schwieriger ist es hingegen, noch ein geöffnetes Lokal für das Abendessen zu finden. Ausgerechnet mein Lieblinkslokal hat bereits 15 Minuten vor Küchenschluss bereits Küchenschluss. Naja, kann man nix machen.

Sonntag, 7. Juli 2013

Gewaltakt

Auf dem Jungfernsee
Ich bin eine Frostbeule. Manchmal. Vor allem nachts. Ich schlafe meist mit geschlossenem Fenster, weil mir bisweilen sehr kalt wird. Ich kann nicht verstehen, wieso meine Eltern selbst im Winter bei offenem Fenster und ohne Heizung schlafen können.
Dennoch liebe ich es draußen zu schlafen. Beim Camping etwa. Dennoch wollte ich immer mal eine Nacht auf dem Boot verbringen, auf meinem Boot. Und unter diesen Rahmenbedingungen war klar, dass die Temperaturvorhersage deutlich mehr Gewicht bei der Auswahl eines geeigneten Wochenendes haben würde als die Windvorhersage. Ziemlich bekloppt für einen Segler.
Der Plan: Üblicherweise und bei gutem Wind schaffe ich es mit meinem irgendwie immer langsamsten Boot auf dem See maximal bis zum Wannsee und zurück. Wenn ich nun einfach nicht zurück fahre, dann müsste ich bis zum Krampnitzsee kommen und am nächsten Tag zurück kommen. Auf dem Krampnitzsee könnte ich dann schön ankern und die Nacht verbringen.
Es kam etwas anders.
In Spitzen versprach der Wind 25 km/h aus Nordwest. Nun ist 25 km/h in Böen so gut wie nichts. Da wie gesagt mein Schiff immer das langsamste ist, ist es noch weniger als nichts. Man steht quasi auf dem See. Das Blöde ist dann noch, dass ich irgendwann nach Nordwest muss, da also wo der Wind herkommt. Für die Nichtsegler: Das ist extrem Käse.
Erschwerend kam hinzu, dass am nächsten Tag Wind von Nord angesagt war, übrigens in Spitzen mit 20 km/h. Also noch weniger als weniger als nichts. Außerdem: Nord ist die Richtung, in die ich hauptsächlich muss, wenn ich dann wieder zurück will. Also wieder extrem Käse!
Glienicker Brücke voraus

Die Hintour lief besser als gedacht: Langsame aber ausreichend Fahrt mit Wind von Hinten. Zeit für eine Badepause. Ich passiere die Pfaueninsel und werfe so langsam den Motor an, da der Wind nun völlig einschläft. Den Krampnitzsee habe ich angesichts der fortgeschrittenen Stunde längst aufgegeben. Immerhin ist der Jungfernsee in Sicht – bis zur Glienicker Brücke will ich mindestens kommen. Klappt auch. Am Jungfernsee kann ich sogar noch einmal ein bisschen segeln und entdecke in wunderschönes historisches  Schiff auf dem Wasser. Dann in einer Bucht Anker werfen, Feierabend. Erstmal baden gehen. Zwei Mal!
 
Beim After-Sundowner
Ich hole das Schwert hoch und bin etwas unsicher, ob mein Ankerplatz so gut gewählt war. Immerhin ist der Jungfernsee so eine Art Hauptkreuzung in der Binnenschifffahrt. Hier treffen sich zwei Kanäle und zwei Hauptrichtungen der Havel. Mit jedem durchgehenden Schiff und deren Wellen gerät die kleine Geli wegen des fehlenden Schwerts beim Ankern gewaltig ins Schwanken. Das Schwert will ich nicht unten lassen, weil das beim Schwanken ein unangenehmes Geräusch beim Hin- und Herwackeln gibt. Aber irgendwann beruhigt sich der Verkehr. Ab 22:00 ist Ruhe. Und ich sitz an Deck und koch mir mein Essen. Nichts besonderes, nur Eintopf. Dazu ein Bier quasi als Sundowner (auch wenn sich die Sonne bereits verabschiedet hat).
Leichter Nebel um 05:30
In der Nacht schlafe ich schlecht. Ich bin sehr aufgeregt. Ich hab zwar auch den Ankeralarm im Telefon angemacht und die Batterien meines Ankerlichts sind ganz frisch. Dennoch ist es das erste Mal für mich vor Anker und das lässt mich immer wieder aufwachen. Um 05:30 stecke ich den Kopf aus der Luke und sehe ein tolles Bild der ankernden Boote um mich herum wie sie im dampfenden Wasser liegen. Klar, es ist saukalt an der Luft und das Wasser ist schön warm.
Um 09:00 dann stehe ich endgültig auf, frühstücke gemütlich, springe ins Wasser und fahre los. Unter Motor. Denn der Nordwind kommt nicht etwa aus Nord. Nein, er folgt dem Wasserverlauf, weil er entsprechend kanalisiert und abgelenkt wird. Das bedeutet: Ich kann mich für die gesamte Rückfahrt auf Gegenwind einstellen. Ich motore bis hinter die Pfaueninsel und gehe erstmal baden. Aber auch danach ist segeln zunächst kaum möglich. Endlich, am großen Auge wo es in den Wannsee geht bis zum Knick der Havel, endlich steht ein guter Wind aus der richtigen Richtung an. Ich kreuze gegenan und gerate sogar in bedrohliche Schieflage. Was für ein Spaß! Wahrscheinlich wird der Wind hier beschleunigt. So komme ich bis zur Lieper Bucht.
Dort stelle ich fest, dass ich trotz Sonnencreme völlig verbrannt bin und springe erstmal ins Wasser. Danach dann will ich einfach nur heim. Ich hab genug vom vielen Motoren und bin irgendwie auch müde. Unter Motor und Segel komme ich bis in die Heimatbucht, gehe nochmal baden, packe schonmal alles zusammen und dann ab in den Hafen.
Wahnsinn, wie schnell die Zeit mal wieder verging, dabei habe ich doch kaum etwas gemacht. Ich beschließe, an einem warmen Wochenende wieder draußen zu schlafen, aber nicht so weit weg. Die Stimmung am Morgen wird ähnlich auch hier oben sein und da bin ich schneller wieder daheim. Bis zum Krampnitzsee wage ich es jedenfalls nur bei idealen Windverhältnissen: NO 4-5 am Samstag und SW 4-5 am Sonntag. Alternativ auch SO am Samstag.

Montag, 4. Februar 2013

Technische Ausstattung

Also egal wie die Sache ausgeht, die verdammt realitätsnahe Träumerei ist es schonmal wert. Dadurch dass ich mich so sehr intensiv mit allem beschäftige, Angebote und Kostenschätzungen einhole und auch die Zusatzausrüstung nun zum ersten Mal preislich abschätze, wird die Sache langsam greifbar. Ich habe keine Ahnung ob das alles nicht viel zu früh ist (ist es natürlich!), andererseits, wenn nicht jetzt, wann dann? Ist nicht der Zeitpunkt ideal? Ist nicht die Lage des Schiffes in Berlin ideal? Könnte man nicht die Wochenenden auf diese Weise in die Instandsetzung investieren? Gäbe es eine schönere Beschäftigung? Für mich gerade nicht, um mal allen die Antwort vorwegzunehmen, die anderes mit ihren Wochenenden vorhaben.
Wie auch immer, neben Versicherungen und potenziellen Liegeplatzkosten habe ich nun auch einmal die technische Ausstattung recherchiert, die ein normales Klasse A Schiff wirklich vollausgestattet macht und für die Langfahrt rüstet. Ich hatte mal mit 25 Tsd. Euro gerechnet. Die Ergebnisse möchte ich natürlich vor allem für mich selbst mithalten, aber wer weiss, vielleicht stellt sich ja jemand ähnliche Fragen. Und weil ich Berater bin und daher Tabellen liebe: Hier mein Rechercheergebnis:
Ein kleiner Hinweis sei mir noch gestattet. Es gibt zwei Positionen auf der Liste, bei denen ich mit dem Neupreis nicht einverstanden bin. Das eine ist das Kurzwellenfunkgerät. Liebe Hersteller, habt ihr sie noch alle? 7-10 Tsd. Euro? Also entweder ich kriege das Ding irgendwie *gebraucht für rund 1.000 (sollte möglich sein) oder ich reise ausschließlich mit einem Satellitentelefon und UKW Funk. Punkt 2): Wassermacher. 3.000 Euro. Die Alternative wäre noch, den ausschließlich handbetriebenen Notfallwassermacherfür 750 Euro zu nehmen und einfach Wasserstops einzuplanen und diesen für den Notfall zu verwenden. Alles in allem dürfte man mit 10 Tsd. Euro hinkommen, wenn man an der ein oder anderen Stelle verzichtet oder gebrauchte Geräte erwirbt. Ich denke vor allem den Gebraucht-Ansatz kann man noch deutlich professionalisieren. Andere Meinungen?

Sonntag, 27. Januar 2013

Keine Kritik, Bestätigung!

Es ist Samstag. Heute habe ich Schiffsbesichtigungstermin. Zweifelsohne ist dies ein Highlight des Wochenendes. Es ist 14:30 – Zeit aufzubrechen.
Ich komme an, mir öffnen liebenswerte ältere Herrschaften die Tür und zeigen mir das Schiff. Der Zustand? Nunja, da muss man einiges machen. Von außen wie auch von innen sieht das Schiff zerlebt aus. An Deck gibt es kleine Stellen, die rosten und in jedem Fall gemacht werden müssen. Vom Innenausbau her wirkt das Schiff sehr gemütlich und vor allem geräumig. Der Innensteuerstand ist großartig. Das Holz muss aber mal neu lackiert werden. Die recht große Fenster könnte man mit Zusatzluken verstärken. Und es muss einiges an Technik angeschafft werden. Der Motor ist angeblich in Ordnung, aber hier habe ich ja nach allen Erfahrungen in den Büchern grundsätzliche Bedenken. Um es zusammenzufassen: Das Schiff hat eine Grundsanierung nötig. Ich schätze die Kosten auf die Hälfte des Verkaufswertes.
Einerseits ernüchternd, andererseits auch eine gute Chance, es dann alles richtig zu gestalten. Die Verlockung wäre groß, bei einem Schiff im besseren Zustand mit Null Instandsetzung zu kalkulieren und loszusegeln. Die Überraschung käme dann möglicherweise auf dem Ozean.
Und die Lage in Berlin ist ideal. Vergleichbar günstige Schiffe sind meist in einer entfernten Region, teils sogar richtig weit weg in anderen Ländern. Dieses hier liegt direkt vor meiner Haustür. Ich könnte zunächst in Berlin an den Wochenenden mich um die Renovierung kümmern. Anders wäre es gar nicht möglich. Sobald das Wesentliche gemacht ist, könnte das Schiff an die Nord- oder Ostsee umziehen.
Was mach ich nur? In solchen Momenten ist der Rat der „Alten“ doch immer sehr wichtig für mich. Ich erzähle ihnen davon und rechne fest damit, dass sie mir sofort alles zerreden. Verdammt, das Gegenteil ist der Fall. Verstehen können sie, dass ich juckig werde bei diesen Rahmenbedingungen. Ich hab keine Ahnung, wo das enden soll...
Ich recherchiere erstmal Preise und Liegegebühren für ein Schiff dieser Größe...Und ich glaube, ich aktiviere mal alte Kontakte.

Nachtrag 1: Rund 3.000 Euro p.a. in Berlin. Am Meer viel mehr.
Nachtrag 2: Nur rund 2.000 Euro p.a. am Meer!!!! Scheisse! Was mach ich denn jetzt?!
Nachtrag 3: Auch der mit dem Schiffstyp und mit Weltumseglungen sehr erfahrene Skipper hat nur gute Worte übrig. Entsprechend seiner Anleitung habe ich das Schiff ein zweites Mal erkundet und Detailfotos gemacht. Ich finde nur die Bilge kritisch: Zwar trocken, aber da stand mal Wasser drin, so viel ist sichtbar.

Montag, 21. Januar 2013

Mastbruch sorgt für Schiffsuntergang

Einmal mehr sehe ich mich darin bestätigt, dass nur ein Stahl- oder Aluminiumschiff für so eine Weltumseglung taugen kann. Bisher hatten nur umherschwimmende Container und schlafende Wale als Argumentationsgrundlage hergehalten. Und der Faradaysche Käfig, den so ein Stahlschiff mit sich bringt natürlich auch. Dass es um viel mehr geht, zeigt jüngster Spiegel Online Artikel, der meiner Prokrastinationsfreude zugute kommt. Positiv erfreut lese ich nämlich gerade die Meldung eines gewissen Alain Delord, der als Einhand-Weltumsegler im Sturm sein Schiff verloren hat, aber wohlauf von seiner Rettungsinsel geborgen werden konnte (daher positiv erfreut).
Die Ursache laut Artikel: Im schweren Sturm brach der Mast und hat offenbar im hohen Wellengang de GFK-Rumpf des Schiffes so stark beschädigt, dass dieses gesunken ist. Zu dieser Gefahr war bisweilen zu lesen, dass nur geeignetes Werkzeug helfen kann, sich schnell vom wild herumschlagenden Mast zu lösen.
Ein weiterer Punkt ist aber ganz einfach das GFK. So ein Mast wird es schwerer haben, Alu oder Stahl zu durchschlagen. Das ist ganz einfach eine zusätzliche Sicherheitmaßnahme. Auch eine Route so weit südlich muss für mich evtl. auch nicht sein. Auch dickere Wanten könnten evtl. das Problem entschärfen. Ich glaube , ich mache mal eine Tabelle der üblichen Sicherheitsprobleme samt Lösungsansätzen. Schön, dass es Herrn Delord gut geht!

Sonntag, 20. Januar 2013

11 Meter Stahl

Was ist der beste Zeitvertreib bei Langeweile? Nunja, für mich ist es das sinnfreie umherprokrastinieren auf irgendwelchen Segelseiten im Internet. Was aber dieses Mal dabei herauskommt, darauf war ich nun wirklich nicht vorbereitet. Der Ablauf der Dinge war ungefähr so:
  1. Auf irgendeiner Weltumsegler-Seite entdecke ich als geeigneten Schiffstyp eine bestimmte Reihe von Stahl-Schiffen einer deutschen Werft.
  2. Ich google die Werft und stelle fest: es gibt sie noch. Ich denke, wäre ja ganz praktisch, wenn mal was ist, könnte man da noch anrufen oder sogar Reparaturen beauftragen.
  3. Ich erinnere mich an eins meiner Weltumsegel-Bücher  – hatten die einen nicht auch gute Erfahrungen diesem Schiffstyp gemacht? Na klar, ich schaue nach, eine genau diese Sorte Schiff.
  4. Ich schaue mal bei einer meiner Lieblingsprokrastinationsseiten, boot24.com vorbei, und schaue ob so ein Schiff im Angebot ist. Ist sie. In einem Jahr finanzierbar. So richtig gefällt sie mir aber nicht.
  5. Ich google weiter und entdecke noch eine etwas andere Bauart. Schön sieht sie aus. Mit Innensteuerstand. Schiffig. 10 Tonnen Stahl. Baujahr 86. Andere sind schon mit 68er Skorpionen um die Welt gesegelt. Das ideale Schiff für mein Vorhaben. Bezahlbar. Schon jetzt. Ich rufe an und mache einen Termin zur Besichtigung aus.
Verdammt, was mach ich nur, wenn mir das Schiff gefällt? Und ich habe doch überhaupt keine Ahnung von Stahlschiffen, nicht dass ich von GFK-Schiffen Ahnung hätte, aber von Stahl doch noch viel weniger.
Eigentlich ist es noch viel zu früh, ich dachte daran, in etwa 2 Jahren das Schiff zu kaufen und dann 2-3 Jahre in die Erfahrungssammlung und den Ausbau zu investieren um dann loszufahren. Andererseits, zu früh? Ich muss an einen Kollegen denken, der damals mit 38 Jahren einen Gehirntumor hatte und mit 39 unter der Erde war. Kann es jemals zu früh sein?
Würde ich den Traum konsequent verfolgen, dann ist es jetzt schon der nächste logische Schritt. Irgendwie steh ich auf einmal schon jetzt vor der Prüfung, was ich denn eigentlich nun wirklich will. Ich bräuchte jemanden, der sich mit Stahlschiffen und meinem Vorhaben auskennt und mir einen Rat geben kann. Wie soll das nur enden....?!

Freitag, 17. August 2012

Letzter Tag: Zurück kreuzen nach Laboe

Windstärke 1-2 ist angesagt. Mit Segeln wird das wohl nichts heute.  Der Plan: Mit Motor in eine Ankerbucht, nochmal baden gehen und dann rechtzeitig reinfahren.
Wir fangen an, uns ein Wettrennen mit dem Speed von 1,5 Knoten mit einem anderen Segler zu liefern. Die Schläge über die Förde werden länger, der Wind stärker.  2,5 Knoten. Einfahrt Nordostseekanal, 4 Knoten Geschwindigkeit. Leuchtturm Kieler Förde 6,5 Knoten Fahrt und 10 Knoten Wind. Das muss der Seewind sein. Wir kreuzen die ganze Förde hoch bis Laboe und ankern direkt vor dem Strand. Nochmal Reste kochen und dem Verkehr auf der Förde zuschauen. Dann zwei perfekte Anlegemanöver im Rückwärtsgang, einmal an der Tankstelle und einmal am Liegeplatz. Dann noch dickes Lob fürs Manöver vom Charterbetreuer. Und das wars.  Fast 200 Seemeilen liege n laut Logge im Kiel.
Es war toll, endlich mal wieder auf dem Meer zu segeln. Ich bin froh, dass ich dem nicht überdrüssig geworden bin und beschließe, im nächsten Jahr zumindest einen Spikurs zu machen. Vielleicht gehe ich das Thema „nächster Segelschein“ nochmal an. Meinen Job werde ich auf die Dauer nicht machen können, warum also nicht Berufsskipper werden? Zumindest könnte ich mir den Weg dafür ebnen mit dem nächsten Schein.
Vielen Dank auch an Matrose Papa, der brav allen manchmal vielleicht etwas gestressten Kommandos gefolgt ist. Es war schön noch einmal diese gemeinsame Woche gehabt zu haben. Ich denke mein Matrose hat die Matrosenprüfung bestanden! 
Ich schmecke noch das Salz vom Seewind auf den Lippen, während ich diesen Bericht schreibe und freue mich schon auf den nächsten großen Schlag. Was wohl als nächstes kommt? Kopenhagen und Bornholm würde ich gern einmal angehen. Und Helgoland.

Donnerstag, 16. August 2012

Sechster Tag: Schietwetter nach Kiel.

Für heute ist Regen angesagt. Der Wind hält sich dagegen in Grenzen. Na mal sehen was geht. Wenns keinen Spaß macht, so der Plan, dann machen wir im Damp fest. So richtig gefällt mir das aber nicht, weil dann der Weg heim kaum kürzer ist.
Beim Rausfahren auf dem Meer sehe ich, dass die See dort ziemlich kabellig ist. Ich habe gelesen, dass das normal sei für die Mündung, rechne aber fas schon mit Umkehr. Zumal der Seegang mal wieder mit Amwindkurs gekoppelt ist.
Auf Höhe Damp liefs dann gerade ganz gut. Der Kurs Richtung Kiel hat gut geklappt, vier Knoten Fahrt waren auch akzeptabel. Also weiter. Klitschnass und bei 2 Knoten Fahrt hatte aber selbst ich dann keine Lust mehr. Papas Billigregenhose war inzwischen an allen erdenklich möglichen Stellen gerissen. Es wurde Zeit, dass das aufhört.
Also Motor an. Inzwischen war mir sogar Kiel egal. Am hässlichen Olympiahafen hatte ich vorgeschlagen anzulegen. Und dann endlich kam sie – die Sonne. Und auch der Wind. Auf einmal machte es wieder Spaß. Also doch Kurs Kiel.
Das Anlegemanöver im Hafen hat diesmal nicht so gut geklappt. Ich habe nach der Ex-Post-Analyse genau zwei Ursachen identifiziert: 1) Ich musste über die schlechte Seite des Bootes drehen. Der Radeffekt hat gegen die Drehrichtung gewirkt. 2) Der Wind hat dann auch noch in die falsche Richtung geschoben.
Kiel hat uns als Stadt gar nicht so sehr gefallen. Hauptattraktion ist aber sicherlich die Uferpromenade. Dort haben wir auch das Louf gefunden, in dem ich bereits mal geschäftlich essen musste mit den Lobbyvertretern einer fürchterlichen Industrie. Heute gefällt es mir viel besser hier.

Mittwoch, 15. August 2012

Fünfter Tag: Schleimünde.

Mein Plan war ja, dass der Wind mit der Zeit irgendwann auf die vorherrschende Westrichtung kippt. Aber denkste. Der Wind ist irgendwie immer gegen uns. Auch in der Flensburger Förde. Wir kreuzen uns einen ab. Nach vier Stunden Kreuzerei haben wir es bis zur Ecke geschafft, ab er wir nach Südost kommen. Der Wind dreht. Keine Lust mehr. Motor an und Kurs Südost. Kurz vor dem Ziel bemerken wir stärker werdenden Wind aus besserer Richtung. Ungerefft tauchen beim Amwindkurs die Fenster wieder tief ins Wasser ein. Am Ende des Tages haben wir noch einmal Fahrt mit 7 Knoten unter Segeln!
Die Schleimünde ist ein idealer Ort zum Ankern. Nahezu für jede Windrichtung findet man eine geeignete Ankerbucht. Wir aber legen im Hafen in Maasholm an. Wir haben keine Ankerwache an Bord, wollen nichts riskieren.  Maasholm sei ein schöner Ort stand im Reiseführer. Maasholm ist das Ansteuern nicht wert, sag ich. Wer in die Schleimünde will, der sollte dort ankern. Nicht mehr und nicht weniger.

Dienstag, 14. August 2012

Vierter Tag: Sönderborg

Eigentlich war der Plan, nach Mommark zu fahren. Jedoch habe ich zu dem  Hafen wirklich nichts Gutes geschrieben gefunden. Auch die Sorge um die Tiefenangaben in der Karte hat ihn nicht eben attraktiver gemacht. Hinzukam, dass er eigentlich viel zu nah lag. So fuhren wir los mit dem Plan A Mommark und dem Plan B Sönderborg oder eine danebengelegene Ankerbucht bei Kaegnes.
Beim Rausfahren immer noch 5 Windstärken. Dazu aus einer Richtung, der harten Amwindkurs bedeutet. Auch die See lief uns entgegen, wenn auch nicht besonders hoch. Nicht die besten Bedingungen, den kleinen Belt zu queren, mit meinem frischgebackenen Matrosen an Bord. Na gut, erstmal halsen üben bei Vorwindkurs bis zur Sandbank-Tonne und dann um die Kurve und auf Amwindkurs gehen. Ich lasse mal zur Sicherheit reffen.
Und los geht’s.  Kurs Süd. Krängung in Spitzen bestimmt 40 Grad. Auf jeden Fall sind die Seitenfenster unter Wasser. Die Reling noch nicht. Wir könnten fast ausreffen. Aber wozu, wir sind schnell genug. Fast 8 Knoten lese ich ab. Matrose Papa muss steuern – ich hab zu sehr Angst, dass ihm schlecht wird.
Aber ich fürchte, er hat großen Spaß! Innerhalb kürzester Zeit sind wir an Mommark vorbei und längst schon auf Kurs Richtung Sönderborg. Hier mache ich einen entscheidenden Fehler. Ich entschließe mich, bei der Gefahrentonne abzukürzen. War zwar alles unproblematisch, aber beim späteren Studieren der Karte lese ich 1,30m als Tiefe ab, gleich neben unserer 8-Meter-Passage. Nochmal Glück gehabt. Ab jetzt wird jede Gefahrentonne großräumig umfahren. Bei der Einfahrt in die Flensburger Förde wird’s etwas langweilig. Der Wind kommt jetzt von hinten und man merkt die Fahrt kaum – die Fahrt zieht sich. Aber ich mach es mir bisweilen bequem auf dem Vordeck.
Sönderborg belohnt uns mit einem tollen Liegeplatz im Stadthafen. Und mich belohnt es mit der Bekanntschaft eines sympathischen dänischen Pärchens. Sie müssen etwa genauso alt sein wie ich. An Bord ist auch ein Kind, frisch geschlüpft. Wir verholen unser Boot etwas für sie und sie sind sehr dankbar, sicherlich auch, weil sie gerade ganz andere Erfahrungen mit anderen Mitbürgern deutscher Nationalität gemacht haben.
Zum Träumen bringen mich die beiden, weil sie zeigen, dass man den Traum leben kann. 1.) sie sind so alt wie ich, haben sich gefunden, scheinen beide das Segeln zu lieben und sind eine kleine Familie. 2.) sie haben ein Boot, gar nicht mal so klein, und nur 5000 Euro teuer, wie sie mir versicherten. 3.) sie machen jetzt im Babyjahr sechs Monate Pause und segeln Ost- und Nordsee ab. Sympathisch, die beiden! Ich wünsch ihnen Glück!
Beim Stadtrundgang entdecken wir neben Schlössern und Windmühlen auch endlich einen Sandstrand. Zum Baden ist es jetzt zwar zu kalt, aber beim Sonnenuntergang sitzen wir dort auf Steinen und mit den Füßen im Sand eingegraben. Leider finde ich später im Schuh keinen Strandsand mehr, so wie früher manchmal noch nach dem Urlaub im Büro...

Montag, 13. August 2012

Dritter Tag: Lyö

Der Wind hat zugenommen. Für den Ritt zu der kleinen Insel Lyö kommt er genau von hinten, was sehr gut ist. Wir werden schnell da sein. Und da der Hafen klein ist, ist das angebracht. Denn diese verfluchten Segler stehen verflucht früh auf um den letzten verfluchten Platz im Hafen zu bekommen.
Der Wind ist so stark, dass ich in Ermangelung einer Generalprobe der Halsen bei leichtem Wind beschließe, kein Groß zu setzen und nur mit Fock zu fahren. 5 Knoten Fahrt im Schnitt! Nach 3 Stunden Fahrt liegt die Insel direkt vor uns. Da der Wind immer noch stark ist, bin ich recht nervös beim Anlegen. Aber was soll ich sagen – es gelingt perfekt. Wir liegen in der Box und alles ist gut. Zeit für einen Inselrundgang.
Lyö wird mein Höhepunkt der Reise. Die Insel ist sehr klein und wir laufen sie einmal quer und einmal längs ab. Immer auf der Suche nach einem geeigneten Badestrand in Lee. Erster Versuch auf der Südseite: Wir durchwandern das wirklich schöne Dorf und laufen später über die Felder. Was wir dann auf der anderen Seite der Insel entdecken ist aber leider nur eine etwas felsige schroffe und eher steile Küste. Zudem nicht wirklich in Lee. Das war nichts.
Auf dem Rückweg entdecken wir noch eine Inselkarte mit einem Hinweis für einen Badestrand. Dies führt zum längsseitigen Abwandern. Wir entdecken eine Mühle ohne Räder, ein altes Hügelgrab und einen Strand! Leider gibt es hier keinen Strandsand, nur kleine Steine. Aber immerhin ist er in Lee der Insel. Ich lasse es lieber bleiben mit dem Baden, Matrose Papa aber kanns nicht lassen. War wohl sehr algig.
Pünktlich zum Seewetterbericht sind wir wieder an Bord. Heut ist Papa Smutje und kocht sein Leibgericht: Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Speck. Vorzüglich! Der Tag klingt am Ufer in Luv bei sechs Windstärken aus. Vor dem Schlafengehen laufe ich nochmal den kleinen Hafen ab und bewundere die Schiffe. In drei Stück habe ich mich verliebt.

Sonntag, 12. August 2012

Zweiter Tag: Svendborg

Wir haben die Wahl zwischen Aerosköbing – nur ein paar Meilen weiter auf derselben Insel, oder einem längeren Törn nach Svendborg. Ich entschließe mich für letzteres. Durch das enge Fahrwasser zwischen Aero und Langeland geht es zunächst unter Motor. Als es nicht mehr so eng war, haben wir Segel gesetzt und kamen gar nicht so schlecht voran. Unter der Brücke von Rudköbing durch, die ich immer schon auf den Bildern von irgendwelchen Blogschreibern und in Reiseführern bewundert habe. Ich finde es gerade toll, nun endlich mal den Ritt über den Horizont gewagt zu haben und nun hier zu sein.
Hinter der Brücke wartet nochmal etwas Segelwind auf uns. Es wird ein wunderschöner Törn mit baumelnden Beinen aus dem Schiff. Der Autopilot steuert und ich sitz auf dem Bug, Papa schläft auf der Plicht. Von hier aus sieht man sogar die oberen Teile der Brücke über den Großen Belt. Am Ende des Sunds kurz vor Beginn des Fahrwassers nach Svendborg ankern wir und gehen baden. Mir geht’s gut.
Es folgt eine kurze Fahrt unter Motor weiter nach Svendborg. Die Strömung hier hat es ganz schön in sich. Wir legen im Handelshafen an – eigentlich ein einfaches Manöver quer zum Steg. Wir haben aber viel Wind und ich mache am Ende einen entscheidenden Fehler – unsere Vorleine ist eher eine Spring und wir sind nach hinten nicht abgesichert. Ich nehme Gas weg und wir treiben gefährlich nahe auf das Boot hinter uns. Aber nochmal Glück gehabt. Uns helfen auch die freundlichen Stegnachbarn im Motorboot, die allerdings noch nicht einmal wissen, wie man eine Klampe belegt und die Windgeschwindigkeit in Knoten nicht in Windstärke uminterpretieren können. Egal, Papa freundet sich schnell mit ihnen an. Wir bekommen eine wirklich schöne Stadt zu sehen, etwas bergig, mit vielen Gassen. Da Sonntag ist, sind jedoch alle Geschäfte geschlossen. Abends bin ich dran mit Kochen. Vegetarisch. So richtig zufrieden bin ich heute nicht. Es könnte schärfer sein. Später am Abend gibt’s dann noch ein ausgiebiges Telefonat  mit Moli. Schön!

Samstag, 11. August 2012

Erster Tag: Der große Schlag nach Aero in Dänemark

Es ist ja so ziemlich der größte Fehler, den man mit absoluten Segelneulingen machen kann: Gleich am ersten Tag einen langen Schlag. Aber was soll man machen – der Wind stand günstig und ich habe lieber bei gutem Wetter am Anfang einen langen Törn als am Ende der Charterzeit bei schlechtem Wetter. Also rüber.
Ich hatte ja etwas Sorge um den starken Verkehr am Nordostseekanal. Aber mal ehrlich – man muss den großen Dingern halt ausweichen, und zwar rechtzeitig. Dann braucht man keine Sorge haben.
Mein frischgebackener Matrose macht sich ganz gut. Zugegeben, er eiert noch ganz schön rum, aber wie hab ich mich damals angestellt. Wir segeln Amwindkurs auf den Leuchtturm im Kieler Fahrwasser 5 sm vor der Förde zu – mit dem Ziel Mastal. Auf der Grenzlinie nach Dänemark ist dann Schluss. Hatten wir am Anfang noch 6 Knoten Fahrt, dümpeln wir inzwischen bei rund 2 herum. Zeit den Motor anzumachen.
Für das erste Anlegemanöver in Mastal brauchen wir zwei Versuche. Ursache ist nicht unbedingt ein verkorkstes Manöver. Vielmehr macht es beim ersten Versuch auf einmal Plopp und wir sitzen fest – zwischen den Pfählen. Die Box ist zu schmal für das Schiff. Wir sind froh, wieder loszukommen. Beim zweiten Versuch wirft Matrose Papa wie angeleitet die achterne Luvleine über den Poller, der Rest ist ein Kinderspiel. Beim Landgang entdecken wir ein hübsches Städtchen und können auch mit Backskisten voller Proviant dem Angebot eines örtlichen Restaurants nicht widerstehen. Beim Blick in die Karte muss ich an Moli denken, die mich wohl zum Fisch ermutigt hätte. Ich wähle Räucherlachs mit Garnelen. Köstlich. Danke Moli, dass Du mich zum Fisch gebracht hast!
Angeblich soll es die sternschnuppenreichste Nacht des Jahres sein. Vier zähle ich am Ende des Abends. Hoffen wir, dass der ein oder andere Wunsch Wirklichkeit wird.

Freitag, 10. August 2012

Auf Kiel

...im doppelten Sinn. Endlich wieder auf See.
http://www.youtube.com/watch?v=el6rSAjT7SU

Anreise

Ich muss Tribut zahlen an meine Arbeit. Mein Zeitplan haut vorn und hinten nicht hin und ich habe bis zum Schluss zu tun. Noch auf der Fahrt nach Laboe telefoniere und arbeite ich im Auto ununterbrochen, mobiles Internet sei „dank“.  Gegen 19 Uhr dann endlich kann ich abschalten. Tatsächlich sowas wie Urlaub.
Am Boot dann der erste Schock: Es ist inzwischen ja fast 21:00 und es war fest vereinbart, dass das Boot offen ist. Wir finden es zwar, aber das Schiff ist fest verschlossen. Nach einigen panischen Anrufen und nutzlosen Diskussionen mit Anrufbeantwortern entschließe ich mich, das Standardversteck für die Schlüssel zu inspizieren. Und siehe da, die Backskiste ist bei Schiffen so etwas wie der Fußabtreter bei Wohnungen. Schlüssel gefunden, Abend gerettet!
Aber verdammt nochmal – dieses Schiff ist wirklich ganz schön groß. Was soll das nur werden...

Sonntag, 22. Juli 2012

Neustart


Das Gute zuerst. Ich bin in diesem Jahr im Vergleich sehr oft segeln. Manchmal alle zwei Wochen. Manchmal jede Woche. Wenn kein Wind ist und die Sonne scheint, fahr ich am Wochenende trotzdem sehr gern raus und liege einfach nur vor Anker in der Sonne oder im Wasser. Und wenn guter Wind ist aber wie in diesem Sommer häufiger Temperaturen von unter 20°, dann fahre ich eben die meiste Zeit nur so herum. Sogar bei über 50km/h in Böen war ich schon draußen und traue mir mit Geli innzwischen mehr zu. Die Angst und der Respekt – beides ist immer noch etwas zu viel vorhanden denke ich, aber es wird besser. Das Maststellen in diesem Frühjahr habe ich dank der ausgefeilten Technik des Mastlegens im letzten Jahr mit Bravur alleine in der reversiven Form hinbekommen. Einzig beim Aufrichten muss ich mir für das nächste Mal noch einen Trick einfallen lassen, weil es sehr schwer ist, mit dem Mast auf der Schulter von der Plicht auf das Kajütdach zu kommen.

Die großartigste Neuigkeit jedoch ist, dass ich dieses Jahr wieder auf dem Meer segeln werde. Eine Oceanis 323 ist gebucht für die Fahrt in der dänischen Südsee. Lang habe ich überlegt, mit wem ich das machen könnte. Es gab einige, die ich hätte fragen können, aber irgendwie hatte ich bei der Person, die ich letztlich gefragt hatte, doch mit Abstand das größte Bedürfnis und das beste Gefühl. Begleiten wird mich mein Vater, der bald 70 wird und noch fit genug ist, für so einen kleinen Törn. Wenn nicht jetzt, wann dann? Wir haben zwar Sorge, dass wir uns gegenseitig auf den Keks gehen, aber ich bin zuversichtlich: Mein Plan ist, dass ich ihn soweit trainiere, dass er bei unkompliziertem Wetter das Boot steuert und ich ein wenig rumdöse. Naja, wir können uns ja auch mal abwechseln.
Kommen wir zum Schlechten. Möglich geworden ist alldas durch den traurigen Umstand einer Trennung. Und so kommt es, dass ich die ganze Segelei gar nicht mehr so richtig mit guter Laune erleben kann. Wenn ich auf dem Schiff bin, kommen diese Gedanken hoch, dass ich doch ein komischer Kauz sein muss, dass ich andauernd alleine herumfahre. Es gäbe sicherlich Optionen, all das zu teilen, aber mit Leuten bei denen man wohl auf einer unterschiedlichen Ebene zusammen erlebt und fühlt und träumt. Damit betrügt man sich am Ende ja nur selbst.
Ja, wenn man diese Leidenschaft auf der selben Ebene teilen könnte, wäre das sicherlich viel wert. Immerhin, ich muss jetzt nicht mehr zurückstecken, aber es ist alles andere als ein Hurra-Erlebnis, dass ich nun wieder ohne Verhandlungen und Diskussionen dieser Leidenschaft nachgehen kann. Alleine will ich nicht um die Welt. Aber wer hält es mit mir aus, 3 Jahre auf so einem kleinen Schiff? Vielleicht nicht mal ich selbst.
Dabei bin ich was die Rahmenbedingungen angeht auf einem guten Weg dahin. Zum Jahresanfang hab ich den Job gewechselt und habe nun eine reelle Chance, auf den Traum hin zu sparen. Aber was, wenn ich am Ende allein dastehe, wie viele von diesen verlorenen Seglern, die irgendwo in der Karibik enden und nur noch heim wollen und von denen die Weltumsegler immer in ihren Büchern schreiben.
Weg mit diesen Gedanken: Jetzt wird nach vorn geschaut. Ich muss endlich meinen Sextanten zusammenbauen und die Astronavigation lernen. Außerdem will ich Spisegeln lernen und den nächsten Schein machen. Lars hat Ähnliches vor, vielleicht ergibt sich daraus eine gute Lerngemeinschaft im nächsten Jahr. Und überhaupt: Jetzt wird sich erstmal auf den Sommerurlaub gefreut!
Mit diesen etwas durchwachsenen Worten verabschiede ich mich in den Sonntag, nicht jedoch ohne die letzten Handy-Bilder meiner letzten Fahrt mit Geli hinzuzufügen! (Ich gebe zu, bei einem Bild habe ich geschummelt und die Sonnenbrille vor die Linse gehalten - ja, so sehe ich die Welt wenns mir gut geht ;))

Dienstag, 1. November 2011

Die Traummaschine läuft wieder

Manchmal sind es die kleinen Zufälle, die zu neuen Gedanken und Überlegungen führen. In diesem Fall war es die Mittagspause und die Finanzkrise. Beides zusammen führte zu der Überlegung, dass man angesichts des drohenden Wertverfalls sinnvoll wäre, etwas Materielles und nicht nur eine Zahl als Gegenwert für seine viel zu lange Arbeit zu haben. Die Mittagspause tat ihr Übriges und sorgte für zeitlichen Raum, geeignete Investitionsobjekte zu identifizieren. Natürlich – was auch sonst – wird da schon mal nach einem Boot Ausschau gehalten.
Und wie ich fündig wurde auf boot24. Eine Ohlson 8:8, genau so eine, mit denen ein gewisser Sönke Roever in seinem Buch von der Ostseerundreise erzählt. Das Ding bietet ausreichend Stauraum für 2 Personen und man kann durchaus über einen längeren Zeitraum damit über die Meere reisen. Das wurde ja bereits vorgemacht. Vielleicht ist das Ding sogar für noch größere Fahrten geeignet. Und jetzt kommt es: Das Teil ist bezahlbar. Schon jetzt. Ich könnte es kaufen und einfach losfahren.
Viel mehr noch: ich entdecke, dass es erstaunlich viel Auswahl gibt in dieser unteren Preisklasse. Ist ja auch logisch, das können sich die meisten leisten. Sicher kann man hier das ein oder andere Schnäppchen machen.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Neue Mastlegetechnik

Die Idee kommt nicht von mir. Vielmehr hat sich einer der zahlreichen Geschäftsführer meines derzeitigen Arbeitgebers eine interessante Konstruktion einfallen lassen. Es kann sein, dass diese bei Booten mit Mastlegevorrichtung verbreitet ist, ich jedoch hab sowas und vor allem kenne sowas nicht.

Die Idee ist denkbar einfach. Zwischen Fockfall oder Vorstag und dem Boot wird ein Flaschenzug gesetzt, der das kontrollierte Absenken des Mastes (und auch das Aufstellen) ermöglicht. Außerdem kann man so von jedem beliebigen Punkt am Boot (ausreichend langer Flaschenzug vorausgesetzt) diesen führen oder bedienen. Als Flaschenzug habe ich einfach die Großschot eingesetzt.
Dankenswerter Weise hat mir Mathias geholfen – zu schlecht waren die Erinnerungen an das Desaster im Vorjahr. So konnte sich einer ganz auf die Bedienung des Großfalls und einer auf den Mast konzentrieren. Geklappt hat es so gut, dass ich es wohl nächstes Jahr wieder alleine probieren werde. Und weil beim Aufstellen man so an der Großschot zieht, dass diese sich automatisch am Feststeller fest zieht und somit nur in eine Richtung arretiert werden kann, werde ich das Aufstellen des Mastes wohl ohnehin solo erledigen.